Die Rheinpfalz 07/2014

Stern Gesund Leben 5/2013

Pfalz... Sie sich erholen wollen.

Man muss schon gut auf sich zu sprechen sein, um solche Sätze von sich zu geben. "So kommet alle zu mir", sagt der Winzer, "die ihr mühselig und beladen seid." 

Wilfried Mathis hebt das Glas, grinsend unterm breiten Strohhut; er weiß um die Anmaßung, jetzt das Evangelium nach Matthäus zu bemühen. Andererseits: Ist das heute nicht wieder ein herrlicher Tag? Entschädigt der Sonnen heller Schein nicht für jede Trübsal? Muss man denn immer Worte wägen? Und: Sollten wir alle nicht mehr feiern? So sitzen wir und trinken in den Tag. Und wollen nicht weg von dieser Bank in diesem lauschigen Innenhof, von diesem Tisch an der rebenumrankten Mauer, warm von der Sonne. Da ist plötzlich ein Wohlsein, eine Zufriedenheit mit der Welt. Was nicht nur mit den Früchten der segenreichen Arbeit eines Winzer zu tun hat, sondern eben auch mit einer heiteren Grundhaltung, die Selbstzweifel keinen übertriebenen großen Raum zuweist. Im Leben, sagt unser Gastgeber, kommt es am Ende doch nur auf zwei Dinge an: Menschen für sich zu gewinnen. Und andere nicht über sich bestimmen zu lassen.

Auch den Mathis nicht, denken wir, und schlagen trocken sein nächste Angebot aus: "Du probierscht jetzt mol`n Gewürztraminer." Mag der Augenblick auch noch so schön sein, wir wollen weiter, schließlich gibt es in dieser sinnenfrohen Gegend noch mindestens 1500 Weingüter mehr........

 

Und dann zurück in den Wingert von Mathis, der längst andere Gäste unterhält. Von seinen Reisen mit dem Orientexpress erzählt, davon, wie er auf Sansibar seine Weine gegen Gewürze tauscht und warum Goethe seine Faust ohne die Geistesnahrung Wein nicht hätte schreiben können. Vielleicht sollte Winzer Wilfried es bald mit einen Mathis-Evangelium versuchen. Die Welt braucht mehr frohe Botschaften.

(Südpfalz Weinlesebuch von Johannes Hucke)

Weingut und Weinstube Mathis

Der Sonne entgegen - und lasse alle Schatten hinter mir...

Aus dem ausgedehnten Festbankett names Südpfalz ist die Weinstube Mathis der Apfel im Maul des Spanferkels. Exakter könnte nirgendwo verkündet werden, was es mit diesem gottgefälligen Landstrich in nuce auf sich hat. Prall, rotwangig, unverschämt saftig: So sieht dieses Fruchtbarkeitssymbol hier aus. Wenn Äpfel zwinkern könnten, er täte es, aufmunternd, einladend - und ein wenig makant. Jawohl, mit der WEINSTUBE MATHIS haben wir einen End- und Höhepunkt der Entwicklung erreicht. Einem ungeschriebenen Naturgesetz folgend, das nur an der südlichen Haardt Geltung besitzt, hat die Familie Mathis alles Mögliche getan. Alles Mögliche, das ist wörtlich zu nehmen. Ein Weingut ward gegründet, die Qualität der tropfen Jahr und Jahr erhöht, eine Weinstube wurde eingerichtet, ach, was heißt eine Weinstube? Die Weinstube, ihr Inbegriff, Ur- und Vorbild, die pure Essenzialitäten zum Reinbeißen. Femdenzimmer, kulinarische Diorama mit Schokoladen, Tees und allerlei Gewürzen, Kunstausstellungen - was nicht noch alles...
Es ist fast schon unverschämt; wenn einer alle Bereiche abdeckt, was bleibt dann noch für die anderen?

Gemach, die Südpfalz hat Platz. Und Wilfried Mathis ist ein kooperativer Geist. Zumal mit Kunstschaffenden tut sich die Familie gern zusammen. Und scheut dabei auch vor Prominenz nicht zurück. Jörg Immendorf hat ein Etikett entworfen, für die knalligen Cuvee Riesling/Silvaner. A. R. Penck, in den jungwilden achtziger einer der großen Pinselführer, gehört zum Feundeskreis. Seine Etikettengestaltung hat Kultstatus. Wilfried Mathis bändigt sogar den Cabernet Sauvignon - versehen mit Avantgarde-Kunst eine unschlagbare Einheit. Witzigmann und Schuhbeck durften gemeinsam mit Mathis Buffet zusammenstellen. Auch längfst verblichene Kulturgrößen und wie unser guter August Becker oder Pfarrer Lehmann aus Nußdorf erfahreb wenige Würdigung in Form von orginellem Flaschendesign.
Wenn man Wilfried Mathis so sieht, die Arme voller Flaschen, des Abends von einem Tisch zum anderen pendelnd, voller Gastfreunschaft, Hintersinn und Neckerei, sö könnte man meinen, den klassischen Südpfälzer an sich vor sich zu haben. "Du probiersch jetzt mol`n Gewürztraminer", überrascht er manchen, der noch gar nicht wusste, was er eigentlich trinken will. Jetzt weiß er`s. Und ist dankbar für die weise Empfehlung. Denn dieser angenehm trockene Geselle kommt so beschwingt daher, dass sich die elsässische Konkurrenz die Ohren festbinden sollte. Nun, die Familie Mathisstammt durchaus nicht aus pfälzischen Kernlanden her. Die Mutter war Sudetendeutsche, der Vater kam aus dem rumänischen Banat. "Dort, wo der bekannte Hanballer herkommt. Hansi Schmidt!"
Ah, der ...

Mag sein, die internationale Abkunft hat die multiprofessionelle Ausrichtung im Weingut Mathis mitbedingt. Kunstschaffende aus Sansibar werden auf mancherlei Weise unterstützt. Der Neubau mit Fremdenzimmer birsdt geradezu vor Kunstwerken, die, bei aller Vielfalt, eines eint: ihre Dynamik - wiederum eine Verbindungslinie zu Wilfried Mathis. Auch die nächste Generation strebt ins Weite; ein stinknormales Winzergeschick, das wäre wohl auch Ingo und Jakob Mathis zu wenig. Aber sie helfen im Betrieb. Und fährt sogar im Sondereinsatz des Nachts bieweilen übermütige Bacchanten nach Landau an den Bahnhof ...

Was wir sonst tunlichst zu unterlassen pflegen, im Falle Mathis machen wir eine Ausnahme. Es muss wenigstens eines dieser phantastischen Rezepte wiedergeben werden, auch außerhalb der dafür vorgesehenen Rubrik. Den außer der mit Gewürzen aus Sansibar genialisch verfeinerten Bratwurst, dem duftig erwärmten Handkäs, dem Münsterflammkuchen, dem Nonnensuselgratin (es existiert eine zugrundliegende Erzählung von August Becker) ist das Rotwein-Kotelett, das Süchtige von überallher in die Weinstube lockt: Das Kotelett waschen, abtropfen lassen, marinieren mit Suppengrün, Salz, Pfeffer, Zwiebeln und Dornfelder - und zwar über Nacht! In der Pfanne mitsamt der Marinade kurz aufkochen, bei mittlerer Hitze garen, schließlich verfeinern mit Weinbrand. dazu gibt`s Semmelknödel und Rotkraut. Und natürlich reichlich Mathis-Weine, außen wie innen voller Entdeckungen.


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